Eine schlechte Kindheit aufarbeiten, klingt für einige überflüssig. Glaubst du, dass deine Kindheit heute noch eine Rolle in deinem Leben spielt? Oder ist sie ein längst vergangener Abschnitt in deinem Leben, zu der du keine Verbindung mehr hast?

Wenn du findest, dass deine schlechte Kindheit keine Rolle mehr in deinem Leben spielt, muss ich dich leider enttäuschen. Deine Kindheitserfahrungen und die zugehörigen Gefühle beeinflussen heute noch alle Aspekte deiner Person. Angefangen bei deinen Gedanken und Gefühlen bis zu deinem Verhalten und das, was du für dich als ”angemessen” betrachtest.

Für den Fall, dass du eine schlechte Kindheit durchlebt hast, ist das dann natürlich ein denkbar schlechter Einfluss. Daher möchte ich dir in diesem Beitrag näherbringen, wieso du deine schlechte Kindheit dringend aufarbeiten musst.

Siehe auch: Vergangenheit aufarbeiten: 3 unersetzliche Schritte

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1. Schlechte Kindheit: Deine Gefühle und Erlebnisse von damals, leben noch immer ind ir weiter und behindern dich im Alltag

Wenn du wie die meisten Menschen aufgewachsen bist, hast du in deiner Kindheit sehr viele Gefühle geleugnet und unterdrückt. Entweder du wurdest von deinen Eltern und deiner Umgebung dazu ermuntert, oder du hast es aus reinen Selbsterhaltungszwecken getan.

Was auch immer der Grund gewesen sein mag – diese geleugnete und unterdrückten Gefühle leben bis heute noch in dir weiter. Du hast ihnen nie erlaubt, da zu sein und daher konnten sie sich nicht entladen und dich loslassen.

Vielleicht hast du diese Gefühle und Erlebnisse aus deiner schlechten Kindheit, längst aus deiner Erinnerung verbannt, doch tief in deinem Unterbewusstsein existieren sie weiterhin und beeinflussen dein Verhalten noch heute – wenn auch auf eine subtile Weise.

Um das zu verdeutlichen, möchte ich dir ein Beispiel zeigen, das ich mal in einem Buch von Nathaniel Branden gelesen habe:

In einer Vorlesung mit dem Thema ”Kindheitserfahrungen”, warf der Professor eine Aussage in den Raum, wonach viele ”normale” Menschen, sehr viele ungelösten Konflikte und Gefühle in sich tragen, obwohl sie sich dessen nicht bewusst sind. Und dass diese Gefühle sie bis heute noch beeinflussen und behindern.

Daraufhin protestiere ein Student und behauptete, dass dies auf ihn nicht zutreffe. Er habe eine ungewöhnlich gute Kindheit erlebt und trage keinerlei ungelöste Konflikte oder Gefühle in sich.

Also fragte der Professor ihn, ob er bereit wäre, an einem Experiment teilzunehmen. Der Student bejahte.

Der Professor sagte zu ihm: ”Setz dich hin und schließe deine Augen. Stell dir folgende Situation vor: Du liegst im Krankenhaus und du wirst sterben. Du hast zwar keine körperliche Schmerzen, aber du weißt, dass du in einigen Stunden sterben wirst.

Und jetzt stelle dir vor, dass deine Mutter in das Zimmer kommt. Schau ihr ins Gesicht. Fühle die Präsenz des Unausgesprochenen. All die Dinge, die du immer sagen wolltest, aber nie getan hast. Rede mit deiner Mutter. Erzähle ihr, wie es damals war, als du noch ein Kind warst.”

Der Student ballte seine Fäuste zusammen und er brachte in Tränen aus. Er sagte: ”Als ich versucht habe mit dir zu reden, wieso hast du mir nie zugehört?”.

An dieser Stelle brachte der Professor, das ”Experiment” ab, um die Privatsphäre des Studenten zu schützen.

Siehe auch:
Gefühle wahrnehmen und nicht nach ihnen handeln
Abhängig von der Familie
Emotional unabhängig werden

2. Schlechte Kindheit aufarbeiten: Damit du deine Probleme lösen kannst, bevor sie in einem Knall enden

Vermutlich ist es Teil der westlichen Kultur, dass wir unsere Gefühle so lange, wie es geht unterdrücken. Wenn die Gefühle dann intensiver werden, schmeißen wir eine Tablette. Und wenn es dann gar nicht mehr geht, gehen wir zum Arzt.

Aber wieso so lange warten?

Du kannst auch deine schlechte Kindheit aufarbeiten, bevor etwas Schlimmes passiert. Du musst nicht zuerst Schmerz erfahren, bevor du anfängst etwas zu unternehmen.

Diesen Fehler habe ich selbst vor 7 Jahren gemacht und es hat sehr böse für mich geendet. Mit 15 Jahren gab es eine Phase in meinem Leben, wo wir große familiäre Probleme hatten. Ich habe in dieser Zeit sehr viele belastende und intensive Gefühle erlebt. Ich wusste nicht, mit wem ich über meine Gefühle sprechen sollte. Ich wusste nicht, wen ich kontaktieren sollte und auch sonst habe ich keinerlei Hilfe von außen gekriegt.

Also habe ich das gemacht, was mir noch übrig blieb: ich habe die belastenden Gefühle unterdrückt – so lange wie es ging. Ich habe über Monate hinweg versucht die Gefühle loszuwerden. Doch es hat nicht geklappt.

Nachdem sich die familiären Probleme gelegt haben, habe ich mit Ende 15 eine Zwangsstörung entwickelt. Leider ist es bis dato nicht möglich eine Zwangsstörung zu heilen.

Rückblickend wünsche ich mir, dass ich mein Wissen von heute, damals schon gehabt hätte. Dann hätte ich zugelassen, dass ich meine Gefühle empfinde und dass sie zu mir sprechen. Und ich hätte höchstwahrscheinlich keine Zwangsstörung entwickelt.

Auch wenn es bei dir nicht so enden muss, so ist es dennoch dringend ratsam, dass du dich mit dir und deiner schlechten Kindheit auseinandersetzt. Dein Körper sollte nicht erst schreien müssen, dass du ihm zuhörst. Du kannst ihm auch Aufmerksamkeit schenken, wenn er nur flüstert. 

Siehe auch:
Gruppenzwang nachgeben kostet dich dein Selbstwertgefühl
5 Tragödien, die durch ein schlechtes Selbstbild verursacht werden

3. Schlechte Kindheit aufarbeiten: Um dein Selbstwertgefühl zu erhöhen und dich wertvoll zu fühlen

Nathaniel Branden hat mal gesagt:

”Nichts trägt zum Selbstwertgefühl mehr bei, als abgespaltene Teile wieder in die Persönlichkeit zu integrieren”.

Sicherlich hast du in deiner Kindheit Sachen gemacht, auf die du nicht stolz bist. Oder Sachen gemacht, die du am liebsten rückgängig machen würdest. Doch diese Sachen zu leugnen bringt nichts und zieht dein Selbstwertgefühl in Mitleidenschaft.

Das Selbstwertgefühl verlangt von dir, dass du die Realität respektierst. Das bedeutet:

  • Du hast das gemacht, was du gemacht hast.
  • Du hast das gefühlt, was du gefühlt hast.
  • Du hast das gedacht, was du gedacht hast.

Leugnen oder Wegwünschen ändern nichts an der Realität. Keiner behauptet, dass dir die Realität gefallen muss. Doch was ist, ist. 

Wichtig für das Selbstwertgefühl ist es, die Realität zu respektieren. Wenn du es hinkriegst, dich mit der Realität anzufreunden, wird dein Selbstwertgefühl wachsen. 

Siehe auch:
Selbstwertgefühl aufbauen: Mehr als diese 4 Fragen brauchst du nicht
Lügen zerstört dein Selbstwertgefühl

Schlechte Kindheit aufarbeiten: Eine Frage zum Schluss

Was würde sich in deinem Leben ändern, wenn du anfangen würdest, Schritt für Schritt deine schlechte Kindheit aufzuarbeiten?

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